Bolívarismus heute

„Alerta, alerta es kommt der Säbel von Bolívar für Lateinamerika

Mehr als 200 Jahre nach dem Tod des südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfers ist Simón Bolívar noch immer eine omnipräsente Persönlichkeit in vielen südamerikanischen Ländern.
Sein politisches Erbe beanspruchen die verschiedenen Linksregierungen, die – beginnend mit dem Wahlsieg von Hugo Chávez und seiner Bewegung in Venezuela -  in den letzten Jahren mehr und mehr Wahlen in Lateinamerika  gewinnen. Im Zuge dieses „Linksrucks“ in Südamerika durch Wahlerfolge in Bolivien (2006), Ecuador (2007), verschiedenen anderen mittelamerikanischen Ländern und zuletzt in Uruguay (2010)  hat auch Simón Bolívars Idee eines geeinten, befreiten und von Europa und den USA unabhängigen Lateinamerikas eine Renaissance erfahren. Bolívar ist in aller Munde und aus dem Alltag vieler Länder Südamerikas nicht mehr wegzudenken. 2004 wurde die ALBA ins Leben gerufen, die „Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerikas“. [1]  Sie dient als Alternative zu der von den USA initiierten, neoliberalen ALCA [2], also einer (Gesamt-) amerikanischen Freihandelszone.
Ganz im Sinne Bolívars soll so die wirtschaftliche und politische Souveränität Lateinamerikas erreicht werden. In diesem Zusammenhang sind auch weitere Kooperationsprojekte verschiedener süd- und lateinamerikanischer Staaten zu sehen. Eine wichtige Bedeutung wird dem Mercosur [3]  zugerechnet, eine Art südamerikanische Freihandelszone, welche die rund 260 Millionen Einwohner der Mitgliedsländer Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und Venezuela  und einiger assozierter Staaten vereint. Ebenso gilt die „Union Südamerikanischer Nationen“ (Unasur) [4]  als ein weiterer wichtiger Schritt zum Zusammenwachsen Südamerikas. Angestrebt ist eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Nationen nach dem Vorbild der Europäischen Union, deren Ziel die Bekämpfung von „Ungleichheit, sozialer Ausgrenzung, Hunger, Armut und Unsicherheit “ ist. Die Idee einiger Mitgliedsstaaten, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu etablieren  wird durch den im März 2009 gegründeten Südamerikanischen Verteidigungsrat (CDS) vorangetrieben. Als weiterer Schritt in Richtung Souveränität und technische Unabhängigkeit, gilt der im Oktober 2008 von Venezuela ins All geschossene Satellit „Simón Bolívar“. Dieser soll während seiner 15-jährigen Lebensdauer sowohl wissenschaftliche, technische und militärische(?) Aufklärung leisten, als auch Kommunikationsdienste (Internet usw.) für verschiedene lateinamerikanische und karibische Staaten übernehmen. Von Venezuela bis Chile sind ganze Straßenzüge nach dem „Befreier“ benannt, ebenso wie U-Bahn Stationen, Symphonieorchester, Armutsviertel, Berge, Schulen und unzählige Projekte und Missionen, die sich der Armutsbekämpfung und Basisarbeit verschrieben haben.
Venezuela heißt seit 2000 offiziell „Bolivarische Republik Venezuela“   und ein beliebter Demoslogan in Südamerika lautet „Alerta, alerta es kommt der Säbel von Bolívar für Lateinamerika“[5] , welcher die Verbindung zwischen sozialen Bewegungen heute und den vor mehr als 200 Jahren von Bolívar und Manuela Sáenz mit entwickelten und erkämpften Unabhängigkeitsideen verdeutlicht. Für viele Menschen bedeutet Bolívarismus heute mehr als nur das Gedenken an einen Unabhängigkeitskämpfer und Nationalhelden, es ist auch der Blick nach vorne und das Versprechen, weiter für die Unabhängigkeit Lateinamerikas zu kämpfen oder wie es in der Abschlusserklärung des 9. Gipfeltreffen der Alba-Staaten heißt „das definitive Ende der Kolonialherrschaft zu besiegeln“.

Text: Niklas Trinkhaus

Zum Weiterlesen: http://www.bpb.de/themen/Venezuela.html


[1] ALBA-TCP – Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América – Tratado de Comercio de los Pueblos

[2] ALCA – Área de Libre Comercio de las Américas

[3] Mercosur – Mercado Común del Surdt. Gemeinsamer Markt des Südens

[4] Unasur – Unión de Naciones Suramericanas

[5] „Alerta, alerta que camina la espada de Bolivar por America Latina“

Bildnachweise:

Hugo Chávez: S. Steele
Wandbild Südamerika: ccBoca
Demonstration: A. Lopez

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